Tempel und Tempelarbeit

Wir dürfen die Genealogie und das Tempelwerk nicht aufschieben
Rede auf der 144. Herbst-Generalkonferenz, 4. Oktober 1974.


Ein junger Mann, noch keine 18 Jahre alt, wurde von einem himmlischen Boten besucht, der sagte, daß er aus der Gegenwart Gottes gesandt sei. Dieser Bote war Moroni, der letzte Prophet des Buches Mormon. Der junge Mann war Joseph Smith.
Moroni führte viele Schriftstellen an, von denen die meisten aussagten, daß die Zeit gekommen sei, den Weg für die herrliche Wiederkunft Jesu Christi zu bereiten. Er zitierte Maleachi: „Siehe, ich will meinen Boten senden, der vor mir her den Weg bereiten soll. Und bald wird kommen zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht; und der Engel des Bundes, den ihr begehrt, siehe, er kommt(Mal. 3:1)!”
Diese Schriftstelle unterstreicht die Tatsache, daß der Herr, wenn er wiederkommt, "zu seinem Tempel" kommen wird; und dies bedeutet, daß es auf Erden einen Tempel geben muß, zu dem er kommen kann.
Moroni führte auch den 23. und 24. Vers des 3. Kapitels an, jedoch in einem etwas anderen Wortlaut:
„Siehe, ich will dir das Priestertum offenbaren durch die Hand des Propheten Elia, ehe denn da komme der große und schreckliche Tag des Herrn. Und er wird in die Herzen der Kinder die den Vätern gemachten Verheißungen pflanzen, und die Herzen der Kinder werden sich zu ihren Vätern kehren; wenn es nicht so wäre, würde die ganze Erde bei seinem Kommen völlig verwüstet werden2.”
Es erscheint mir sehr bedeutsam, daß unter den ersten Anweisungen,
welche dem Propheten Joseph Smith bei der Wiederherstellung des Evangeliums gegeben worden sind, die zu finden sind, die sich mit Tempeln und den darin vollzogenen heiligen Handlungen befassen. Diese Anweisungen müssen also sehr fundamental für das Evangelium Jesu Christi sein.
Um die Anforderungen, die in dieser Botschaft enthalten sind, zu erfüllen, muß es einen Tempel geben. Elia muß mit der Vollmacht des Priestertums kommen; und es muß Mitglieder der Kirche geben, die die Urkunden ihrer Vorfahren sammeln und die Arbeit verrichten, damit die den Vätern gemachte Verheißung erfüllt wird.
Gott selbst schuf die erste Familie, die aus Adam und Eva bestand. Die Familie ist keine durch den Menschen entstandene Einrichtung, die der Mensch im Laufe seines Entwicklungsprozesses einfach beiseite werfen und mit der Zeit für ungültig erklären kann. Alles, was in unserem Leben dem Herzen am nächsten steht und uns am teuersten ist, hängt mit der Familie zusammen. Die Liebe hat dort ihren Mittelpunkt, und wo die Liebe ist, dort finden wir auch Glück. Es ist für den Menschen nicht gut, allein zu sein. Der Herr hat in seiner Weisheit für den Menschen einen Weg geschaffen, wie er auf der Erde glücklich sein und diese Freude durch alle Ewigkeit behalten kann. Die größte Freude und das größte Glück kommen durch die Einheit der Familie zustande. Das ist während der gesamten Erdenzeit so gewesen,
warum sollte es also im Leben nach dem Tode nicht so sein?
Die Familieneinheit ist so wichtig, daß der Herr uns hat wissen lassen, daß bis zum Ende des Tausendjährigen Reiches alle Nachkommen Adams, die das Evangelium annehmen, durch die Macht des Priestertums als Familie aneinandergesiegelt werden müssen. Das Priestertum hat die Macht, auf Erden zu siegeln, was im Himmel gesiegelt sein wird, und auf Erden zu binden, was im Himmel gebunden sein wird.
Jeden, der auf diese Erde kommt, muß, falls er das Evangelium annimmt, vor Ende des Millenniums die Möglichkeit gegeben werden, alle Segnungen dieser Siegelungen zu erhalten, sonst wäre Gott ein ungerechter Gott.
Diese Segnungen werden erstens durch die Taufe und der damit verbundenen Aufnahme in die Kirche Jesu Christi erlangt. Danach wird die Ehefrau an ihren Ehemann für Zeit und Ewigkeit gesiegelt, und die Kinder, die nicht im Bund der ewigen Ehe geboren worden sind, müssen an ihre Eltern gesiegelt werden, damit sie alle Segnungen erlangen können, als ob sie im neuen und ewigen Bund geboren wären.
Diejenigen, die ohne dieses Gesetz gestorben sind, können diese Segnungen erlangen, indem jemand für sie stellvertretend alle heiligen Handlungen vollzieht. Und da setzt unsere Pflicht ein; wir müssen das Evangelium zuerst den Lebenden verkünden und dann die Urkunden derjenigen in unserer Familie sammeln, die ohne dieses Gesetz gestorben sind, um so dafür zu sorgen, daß dieses wichtige Werk für sie getan wird.
Unseren Vorfahren ist die Verheißung gemacht worden, daß das Herz der Kinder sich zu ihren Vätern kehren soll http://scriptures.lds.org/de/dc/2/2#2 (Siehe LuB 2:2), wenn das Evangelium in den Letzten Tagen wiederhergestellt wird. Das bedeutet, daß wir die unseren Vorfahren gemachte Verheißung erfüllen müssen, indem wir die Tempelarbeit für sie verrichten. Wenn wir das nicht tun, ist unsere eigene Erlösung gefährdet. Es muß nicht nur die Taufe vollzogen werden, sondern die Familie muß auch als eine ewige Einheit aneinandergesiegelt werden. Daher müssen wir diese heiligen Handlungen zuerst an uns selbst vollziehen lassen und sie dann stellvertretend für unsere verstorbenen Vorfahren vollziehen. Diese allerheiligsten Handlungen müssen in einem Tempel vollzogen werden, der zu diesem Zweck errichtet und dem Herrn geweiht worden ist.
In einer neuzeitlichen Offenbarung hat der Herr dem Propheten Joseph Smith geboten: „Bauet meinem Namen ein Haus, worin der Allerhöchste wohnen kann. Denn auf Erden ist kein Ort zu finden, wohin er
kommen könnte, um das wiederherzustellen, was euch verlorengegangen ist oder was er hinweggenommen hat — selbst die Fülle des Priestertums (http://scriptures.lds.org/de/dc/124/27-27#27 LuB 124:27, 28).”
Der Tempel wird zu einem besonderen und wichtigen Zweck gebaut, wo die Lebenden an heiligen Handlungen teilnehmen und Familien für die Ewigkeit aneinandergesiegelt werden können. Die Familieneinheit ist die einzige, ewig währende Organisation. Der Tempel ist ein schönes Gebäude und das auch mit Recht. Er ist jedoch nicht nur ein Denkmal. Er stellt den einzigen Weg dar, durch den alle Rechtschaffenen, — sowohl die Lebenden als auch die Toten, — die Segnungen der Erhöhung erlangen können. Die Lebenden kommen zuerst, und dann, nachdem sie diese heilige Siegelung an sich selbst haben vollziehen lassen, sollen sie sich ihren Vätern zuwenden und durch das stellvertretende Vollziehen der heiligen Handlungen das Tor für ihre Vorfahren öffnen, damit sie die gleichen Segnungen erlangen können.
Diesem Zweck muß die Familienahnenforschung dienen. Viele auserwählte Geister sind zurückgehalten worden, um zu dieser Zeit auf die Erde zu kommen, damit sie das Evangelium annehmen und die Tempelarbeit für ihre Vorfahren tun können. Immer wieder finde ich unter den Bekehrten Männer oder Frauen, die als einzige in der Familie der Kirche angehören. In den meisten Fällen haben sie oder sonst ein Familienangehöriger Urkunden mit ihrer Familiengenealogie. Viele schicken diese Urkunden an die Genealogische Gesellschaft, damit die Arbeit getan werden kann. Einige haben jedoch viele Namen gesammelt, ohne sie einzureichen. Wir dürfen diese Arbeit nicht verzögern! Die Zeit wird immer kürzer. Durch den Bau weiterer Tempel kann mehr Arbeit geleistet werden. Mit jedem weiteren Tempel können etwa 3000 Namen mehr jeden Tag bearbeitet werden. Halten Sie diese Urkunden nicht zurück, sondern füllen Sie die normalen Formulare aus und schicken Sie diese an den Tempel ein.
Obwohl der Herrdie Menschen dazu inspiriert hat, die Urkunden über Jahrhunderte hinaus zu bewahren, wird der Teufel doch mit Erfolg das Werk des Herrn am Fortkommen hindern können, wenn es ihm gelingt, uns zu überreden, die Tempelarbeit aufzuschieben oder nicht zu tun. Es wird eine Geschichte erzählt, in der der Satan eine Ratsversammlung seiner Vertreter einberief und diese fragte, wie sie die Streitkräfte der Rechtschaffenheit bekämpfen wollten. Einer sagte: „Ich will hingehen und ihnen sagen, daß alles nicht wahr sei.” Satan antwortete: „Nein, damit wirst du keinen Erfolg haben.” Der zweite sagte: „Ich will ihnen sagen, alles sei nur halbwahr.” „Nein”, erwiderte Satan, „das reicht auch nicht aus.” Der dritte sagte: „Ich will hingehen und ihnen sagen, alles sei wahr, aber es sei nicht nötig, sich damit zu beeilen.” „Geh,” sagte Satan, „damit wirst du sie jedesmal für uns gewinnen.” Luzifer darf nicht gewinnen. Wir müssen des Herrn Werk für unsere Vorfahren tun, oder die Erde wird „bei seinem Kommen völlig verwüstet werden5”. Es scheint, daß die Zukunft der Erde davon abhängt, ob wir die Tempelarbeit getan bekommen oder nicht.
Das Evangelium wurde in diesen letzten Tagen wiederhergestellt, um nie mehr von der Erde fortgenommen zu werden und allen Kindern Gottes die Segnungen der Erlösung und Erhöhung zu bringen, die sich durch ihre Treue würdig erwiesen haben. Der Zweck der Erde und unseres Lebens hier ist es, jedem Nachkommen Adams die Möglichkeit zu geben, dieses Leben als Mitglieder einer ewigen Familieneinheit zu verlassen. Ich bezeuge Ihnen, daß dies das Evangelium Jesu Christi ist, das in diesen Tagen mit der ganzen Vollmacht des Priestertums wiederhergestellt worden ist, um die Familie von einem jeden von uns für ewig zu binden. Im Namen Jesu Christi. Amen.
2) Joseph Smith 2:38, 39. 3 5) Joseph Smith 2:39.
Eldred G. Smith; Patriarch der Kirche, der Stern Juni 1975

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