Tempel und Tempelarbeit

Die Hochzeitstraße


Vor einigen Jahren zeigte mir der Eigentümer einer großen Ranch im südlichen Utah sein Anwesen. Dabei fiel mir eine lange, schmale, kurvige Schotterstraße auf. Man sagte mir, daß diese abgelegene, einsame Wüstenstraße sich einst über viele Kilometer hinweg quer durch den Süden Utahs und den Norden Arizonas gewunden habe und dann nach Süden abgebogen sei, um die Dörfer entlang des Little Colorado River miteinander zu verbinden. Diese Dörfer waren von Mormonenpionieren gegründet worden, und die besagte Straße verband sie mit der Siedlung in St. George. Sie wurde einst viel mit Pferd und Wagen befahren. Man nannte sie die „Hochzeitstraße”.

Die Pioniere brachten Opfer, um in den Tempel zu gehen
Die Hochzeitstraße wurde von Brautleuten so .genannt, die aus den Siedlungen im Norden Arizonas zum St. George-Tempel reisten, um dort die Begabung zu empfangen und für Zeit und Ewigkeit gesiegelt zu werden.
Gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts dauerte die Reise zwischen wenigen Tagen bis mehreren Wochen, je nach Wohnort der Brautleute. Die meisten unerschrockenen jungen Paare verbrachten viele Nichte entlang der Hochzeitstraße unter freien Himmel; sie schliefen meist entweder auf der Erde oder im Wagen. Die jungen Paare und ihre Familien hatten in der weiten amerikanischen Wüste, wo im Jahresdurchschnitt weniger als 20 cm Regen fällt, beträchtliche Herausforderungen zu bestehen. Manchmal hatten sie gerade das Notwendigste an Nahrung mit, und meist gab es nur abgestandenes Wasser zu trinken. Sie waren vielen Gefahren ausgesetzt — Klapperschlangen, Kojoten, Rotluchsen und Wüstenfüchsen.
Warum haben die jungen Leute wohl unter großen Opfern und verbunden mit hohen Kosten und manchmal sogar Gefahr für Leib und Leben die öde Wüste durchquert? Der leuchtendweiße St. George Tempel war der erste Tempel, der westlich des Mississippi fertiggestellt und geweiht worden war. Der Wunsch der jungen Menschen, im Tempel gesiegelt zu werden, war größer als die Angst vor den Gefahren, denen sie, wie sie wußten, während der Reise zum Tempel ausgesetzt waren.

Die Segnungen des Tempel sind wichtig

So wie damals können junge Leute auch heute Anspruch auf die Segnungen der Ewigkeit im Haus des Herrn erheben. Brigham Young hat gesagt: Diese Segnungen „braucht ihr, wenn ihr aus dem Leben scheidet, damit ihr in die Gegenwart des Vater zurückkehren und dabei an den Engeln vorüberschreiten könnt, die als Wächter aufgestellt sind, damit ihr ihnen die Schlüsselwörter nennen und die Zeichen geben könnt, die zum heiligen Priestertum gehören, und so trotz Erde und Hölle ewige Erhöhung erlangt” (in Journal of Discourses, 2:31).
Die Begabung, die im Tempel durch die Vollmacht des heiligen Priestertums erteilt wird, ist eng mit dem Grundsatz der ewigen Ehe verknüpft. Schon seit Beginn der Wiederherstellung ist uns ans Herz gelegt worden, daß die Ehe „dem Menschen von Gott verordnet” worden ist (siehe LuB 49:15). Seit der Zeit Adams ist dem Ehebund stets große Bedeutung beigemessen worden. Wir Brüder in der Kirche werden durch eine Offenbarung angewiesen: „Du sollst deine Frau von ganzem Herzen lieben und sollst an ihr festhalten und an keiner anderen.” (LuB 42:22.)
Uns Mitgliedern der Kirche ist nicht nur geboten worden, in Rechtschaffenheit die Ehe schließen, sondern auch, Kinder in die Welt zu setzen und gemäß den Lehren des Evangeliums Jesu Christi zu erziehen. Wie wir wissen, müssen die Begabung und die Zeremonie der Ehesiegelung im Haus des Herrn vollzogen werden. Es ist ein großer Segen für uns, daß es überall auf der Welt Tempel gibt, wo wir diese heiligen Handlungen für die Ewigkeit empfangen können.
Der Herr hat Joseph Smith erklärt:
„In der celestialen Herrlichkeit gibt es drei Himmel oder Grade,
und um den höchsten zu erlangen, muß man in diese Ordnung des Priestertums [nämlich den neuen und immerwährenden Bund der Ehe] eintreten.
Tut jemand das nicht, so kann er ihn nicht erlangen.” (LuB 131:1-3.)
Und weiter hat er gesagt: „Wenn ein Mann eine Frau heiratet, und zwar durch mein Wort, nämlich mein Gesetz, und durch den neuen und immerwährenden Bund, und sie werden vom heiligen Geist der Verheißung gesiegelt, und zwar durch den, der gesalbt ist und den ich zu dieser Macht und zu den Schlüsseln dieses Priestertums bestimmt habe, wird ihr Bund voll in Kraft sein, wenn sie außer der Welt sind, und sie werden an den Engeln und den Göttern, die dort hingestellt sind, vorbeigehen zu ihrer Erhöhung und Herrlichkeit in allem, wie es auf sie gesiegelt worden ist, und diese Herrlichkeit wird eine Fülle sowie ein Weiterbestand der Nachkommen sein, für immer und immer.” (LuB 132:19.)
Damit ein Bündnis – auch das Ehebündnis – in der Ewigkeit gültig ist, müssen die folgenden beiden Voraussetzungen erfüllt sein: Das Bündnis muß „geschlossen und eingegangen und vom Heiligen Geist der Verheißung gesiegelt werden" (LuB 132:7), und es muß mit der richtigen Priestertumsvollmacht geschlossen werden.

Wir müssen möglicherweise Opfer bringen, um in den Tempel zu gehen
Heute sehen sich junge Heilige der Letzten Tage großen Schwierigkeiten gegenüber. Das führt dazu, dass viele die Heirat länger als notwendig aufschieben. Manche reden sich damit heraus, sie würden gerne erst ihre Ausbildung beenden. Andere wiederum sagen, sie bräuchten erst eine sichere Stelle, ehe sie heiraten können. Und wieder andere wollen erst Sicherheit in Form eines hohen Kontostandes und leisten sich lieber eine neue Wohnung, ein neues Auto oder anderen materiellen Luxus, anstatt im Tempel zu heiraten.
Wir müssen uns fragen, ob wir der Ehesiegelung im Tempel die gleiche Bedeutung beimessen wie die Menschen, die damals auf der Hochzeitstraße fuhren. Wir fallen zwar nicht Klapperschlangen und Wölfen zum Opfer, aber vielleicht werden wir zum Opfer von Verzögerung und Doppelwertigkeit. Wir fallen zwar nicht Hunger und Erschöpfung zum Opfer, aber vielleicht werden wir zum Opfer der vorherrschenden Philosophie der Befriedigung der eigenen Bedürfnisse und der gegenwärtig zu populären Einstellung: „Tu, was dir Spaß macht!"
Natürlich müssen die Heiligen der Letzten Tage, die in einem Kulturkreis leben, der es ihnen gestattet, ihren Ehepartner selbst auszuwählen, sich genug Zeit nehmen und Erfahrungen sammeln, um bei der Wahl des Ehepartners eine kluge Entscheidung zu treffen. Aber sie dürfen die Partnersuche und die Entscheidung für einen Partner nicht aus egoistischen Gründen aufschieben.
Die Eltern und die Führer müssen immer bemüht sein, den jungen Menschen einzuprägen, daß die Eheschließung ein heiliges Recht und auch eine Pflicht ist. Es ist für Mann und Frau nicht gut, wenn sie allein sind, denn keiner kann ohne den anderen das Maß seiner Erschaffung erfüllen (siehe 1 Korinther 11:11; Mose: 3:18). Die Ehe zwischen Mann und Frau ist von Gott verordnet worden, und die Fülle aller Segnungen der Ewigkeit kann man nur durch den neuen und immerwährenden Bund der Ehe empfangen.

Ratschläge von den Propheten
Die neuzeitlichen Propheten und Führer haben uns ans Herz gelegt, im Haus des Herrn zu heiraten und den Bündnissen, die wir dort eingehen, treu zu bleiben. Präsident Howard W. Hunter hat auf einer Generalkonferenz gesagt:: „Da es sich um eine Priestertumspflicht handelt, darf ein Mann unter normalen Umständen die Ehe nicht unnötig aufschieben. Brüder, der Herr hat in dieser Angelegenheit deutlich gesprochen. Es ist Ihre heilige und feierliche Pflicht, diesem Rat und den Worten der Propheten zu folgen." (Der .Stern, Januar 1995, Seite 45.) Und weiter hat er gesagt: „Ein Mann, der das Priestertum trägt, ist seiner Frau absolut treu und gibt ihr keinen Anlaß, an seiner Treue zu zweifeln. Ein Ehemann muß seine Frau von ganzem Herzen lieben und an ihr festhalten und an keiner anderen (siehe LuB 42:22—26)” (Der Stern, Januar 1995, Seite 45.)
Mit Bezug auf LuB 42:22 hat Präsident Spencer W. Kimball erklärt: „Die Wörter und keiner anderen schließen jeden anderen Menschen und alles andere aus. Der Ehepartner wird das Wichtigste im Leben des Mannes beziehungsweise der Frau, und nichts darf jemals wichtiger werden als der Ehepartner - nicht das gesellschaftliche Leben, nicht die Karriere und nicht die Politik.” (The Miracle of Forgiveness, 1969, Seite 250.)
Auch andere Propheten haben deutlich gemacht, wie wertvoll die Ehe und die Familie sind. Präsident Harold B. Lee hat gesagt „Das Wichtigste, was Sie und ich jemals im Werk des Herrn tun werden, geschieht in den eigenen vier Wänden.” (Stand Ye in Holy Places, 1974, Seite 255.)
Präsident Gordon B. Hinckley, der lebende Prophet, hat folgendes über die ewige Ehe gesagt: „Der himmlische Vater, der seine Kinder liebt, möchte nur das für sie, was sie jetzt und in der Ewigkeit glücklich macht, und es gibt kein größeres Glück als jenes, das in der wichtigsten zwischenmenschlichen Beziehung zu finden ist, nämlich in der Gemeinschaft von Mann und Frau und Eltern und Kindern....
Die Ehe ist aber ein Bund, der durch Vollmacht gesiegelt wurde. Wenn es sich bei dieser Vollmacht nur um staatliche Befugnis gehandelt hat, so gilt die Ehe auch nur so lange,
wie die staatliche Befugnis gilt, und diese endet mit dem Tod. Wenn aber zur staatlichen Befugnis die Macht der Begabung von dem der den Tod überwunden hat, hinzukommt, dann wird diese Gemeinschaft über das Grab hinaus bestehen, sofern beide Ehepartner so gelebt haben, daß sie dieser Verheißung würdig sind” (Be Thou an Example, 1981, Seite 136 f.)
Die Mormonenpioniere mußten viele Opfer bringen und viel Willenskraft, Entschlossenheit und Beharrlichkeit an den Tag legen, um die Reise zum heiligen Tempel des Herrn in St. George zu schallen. Ähnliches gilt auch heute. Nur wenn wir willens sind, die Opfer Zu bringen, die notwendig sind, um der Siegelung im Tempel einen wichtigen Stellenwert im Leben einzuräumen, können auch wir uns der Segnungen erfreuen, derer sich die Heiligen der Letzten Tage erfreut haben, die vor mehr als hundert Jahren auf der Hochzeitstraße fuhren - und die nach dem Ende ihrer Reise ein würdiges Leben führten, so daß der Heilige Geist der Verheißung die heiligen Bündnisse siegeln konnte, die sie im Haus des Herrn geschlossen hatten.
Elder David E.Sorensenvon den Siebzigern, Oktober 1997

23.3.08 08:16

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