Tempel und Tempelarbeit

Wie wir wieder in der Kirche aktiv geworden sind

Es gab einmal eine Zeit, wo meine Frau Ceci und ich nicht regelmäßig zur Kirche gingen. Aber die Kirche fehlte uns doch, und schließlich entschloß ich mich, zu fasten und zu beten, um Gewißheit darüber zu erlangen, oh der himmlische Vater uns wieder in seine Herde aufnehmen würde.
Kurze Zeit später – ich sprach gerade ein Gebet – klingelte es an der Tür. Präsident Plutos, unser Zweigpräsident, war gekommen, um mich als Ratgeber in der Zweigpräsidentschaft zu berufen. Mein Beten war erhört worden, und ich wußte, daß der himmlische Vater mich noch immer wie einen Sohn liebte. Ich spürte auch die Wärme, die nur Gott schenken kann.
Das war der Beginn eines wunderschönen Jahres voller geistiger Segnungen. Wir richteten in unserem Zweig eine Institutsklasse ein, in der das Buch Lehre und Bündnisse durchgenommen wurde. Ceci sagte, sie würde mir helfen, wenn ich daran teilnähme. Ein paar Monate später verließ der Lehrer unseren Zweig, und ich wurde gebeten, seine Aufgabe zu übernehmen.
In einer der Lektionen ging es um die Tempelehe und die stellvertretende Arbeit für die Verstorbenen. Kurz danach träumte ich eines Nachts von meinem Onkel, der vor neunzehn Jahren gestorben war, und von meinem Stiefvater, der auch bereits tot war. Mir war, als ob sie etwas von mir wollten, und ich hatte das Gefühl, als flüstere mir jemand zu, daß ich in den Tempel gehen muß, und daß die Ehesiegelung im 'Tempel ein Gebot Gottes ist.
Als ich aufwachte, kniete ich mich nieder und bat den himmlischen Vater, uns den Tempelbesuch zu gestatten. Und dann um meinen Entschluß schriftlich festzuhalten – nahm ich ein Blatt Papier und schrieb das Gebet auf, das ich gerade gesprochen hatte: „Himmlischer Vater”, so schrieb ich, „wenn es dein Wille ist, dann laß mich bitte mit meiner Frau, Ceci, und meinen Kindern Diego und Adrianita in den Tempel gehen.” Dann weckte ich meine Frau und erzählte ihr, was ich getan hatte. Sie begann zu weinen und umarmte mich. Sie wußte, wie schwer es werden würde, dieses Ziel zu erreichen.
Wir wohnen in Ambato in Ecuador, und der uns nächstgelegene Tempel befindet sich in Lima in Peru, also außerhalb der Landesgrenzen. Für die Reise dorthin würden wir unzählige Formulare ausfüllen, sechsunddreißig Stunden mit dem Bus fahren und materielle Opfer bringen müssen. Außerdem würde es für unsere beiden Kinder, die noch nie verreist waren und denen das Stillsitzen schwerfiel, sehr anstrengend werden. Aber als wir den Patriarchalischen Segen empfingen, wurden wir in unserem Entschluß bestärkt.
Am 20. Mai 1987 standen meine Frau, meine Tochter, mein Sohn und ich endlich vor dem Tempel. Von einem der Türme aus blickte die Statue des Engels Moroni in den Himmel hinauf. Wie glücklich waren wir, als meine Frau und ich die Begabung erhielten und dann unsere Kinder für alle Ewigkeit an uns gesiegelt wurden! Anschließend haben wir für unsere verstorbenen Angehörigen die Tempelarbeit durchgeführt.
Jedesmal, wenn ich daran denke, wünsche ich mir, wieder in den Tempel gehen zu können. Ich bin so dankbar, daß wir die Gelegenheit wahrgenommen haben, diese ewigen Bündnisse zu schließen. Gott hat sein Evangelium, zu dem auch die heiligen Handlungen im Tempel gehören, deshalb wiederhergestellt, weil er uns liebt. Ich weiß, daß Gott lebt.

Vincente Munoz Ulloa, September 1994 

3.3.08 17:21

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