Tempel und Tempelarbeit

Jemand, der in den Tempel geht

Wer hätte gedacht, daß sich eine Entscheidung, die ich im Alter von elf Jahren traf, auf mein ganzes weiteres Leben auswirken würde?
Damals ging meine Familie nur selten zur Kirche. Doch mein Bruder und ich besuchten die Primarvereinigung. Einmal sagte meine Lehrerin in einer Lektion über die Tempelehe: „Ihr müßt euch jetzt dafür entscheiden, einmal im Tempel zu heiraten. Diese Entscheidung kann nicht warten. Trefft sie heute.” Damals war ich, soweit ich mich erinnern kann, zum ersten Mal vom Geist angerührt, und ich setzte mir tatsächlich am selben Tag noch das Ziel, im Tempel zu heiraten.
Einige Jahre vergingen, und nichts geschah. Ich ging nur selten zur Kirche, aber dachte anders. Ich glaubte daran, daß ich eines Tages in den Tempel gehen würde.
Schließlich begann sich diese Entscheidung auf andere Entscheidungen auszuwirken. Als ich vier-zehn Jahre alt war, sagte ich mir, daß jemand, der in den Tempel gehen wolle, auch beim Seminar mitmachen müsse. Ich sah mich als jemand, der zum Seminar geht.
Meine Freundinnen aus dem Seminar gingen zu den JD-Aktivitäten, also fing auch ich an,
dorthin zu gehen. Ich sagte mir, daß es einem Mädchen, das die Segnungen des Tempels empfangen wolle, bestimmt guttäte, wenn es sich die JD-Auszeichnung verdiene. Es war nicht leicht, weil ich erst so spät in der Kirche aktiv geworden war, aber eine großartige JD-Führungskraft half mir, mir die entsprechenden Ziele zu setzen, um das Fehlende aufzuholen.
Zu meinen Zielen gehörte es auch, einen Monat lang alle Versammlungen der Kirche zu besuchen. Es war gar nicht so einfach, meine Eltern zu bewegen, mich jede Woche zur Kirche zu fahren. Manchmal überredete ich meine kleine Schwester, mitzukommen, damit ich nicht so allein war. Als ich dieses Ziel erreicht hatte, war mir klar, daß ich jemand bin, der zur Kirche geht.
Ich machte Fehler, viele Fehler. Manchmal verließ mich der Mut, und ich befürchtete, mein Traum vom Tempel werde sich niemals erfüllen. Ein liebevoller Bischof leitete mich, erklärte mir die Umkehr und half mir, die Entschlossenheit zu entwickeln, weiterzumachen. Er machte mir erneut bewußt, daß der Tempel jede Anstrengung und jedes Opfer wert war, das von mir verlangt wurde, und wenn es mir noch so schwer fiel
Als ich sechzehn Jahre alt wurde, mußte ich noch mehr Entscheidungen treffen. Einer meiner Sonntagsschullehrer warnte: „Ihr werdet nur jemanden heiraten, mit dem ihr vorher ausgegangen seid. Achtet deshalb darauf, daß ihr nur mit jemandem ausgeht, den ihr im Tempel heiraten könnt.” Ich nahm diesen Rat ernst und fragte mich bei jeder Freundschaft: „Ist dies ein Mensch, mit dem ich in den Tempel gehen könnte?” Manchmal täuschte ich mich. Doch ich hielt trotzdem an meinem Plan fest, bis ich den richtigen Mann fand, den ich am richtigen Ort heiraten konnte.
Meine Eltern unterstützten mich in allen Entscheidungen. Mutter und Vater standen mit mir auf dem Podium in der Kapelle, als ich meine JD-Medaille erhielt. Sie waren da, als ich das Seminar abschloß. Sie waren bei mir, als ich meinen Patriarchalischen Segen empfing, und sie unterstützten mich, als ich das Ricks College besuchte.
Sie waren auch beide an dem Tag bei mir, als ich auf die Tempeltür zuschritt. Ich hatte endlich den Punkt erreicht, wo ich in den Tempel gehen und die Segnungen empfangen konnte, von denen ich gehört und auf die ich mich gefreut hatte. Die Statue des Engels Moroni leuchtete in der Morgensonne und schien meine Freude in alle Welt hinauszutragen. Ich küßte meine Eltern zum Abschied und ging dann in den Tempel.
Wenn ich mit der Entscheidung, wo ich heiraten wollte, gewartet hätte, hätte ich es wahrscheinlich nicht übers Herz gebracht, meine Eltern vor der Tür stehen zu lassen und im Tempel zu heiraten. Dann wäre mein Zeugnis vom Evangelium, von der Bedeutung des Tempels und von der Notwendigkeit, ewige Bündnisse zu schließen, nicht fest genug gewesen. Vielleicht hätte ich noch nicht einmal die Möglichkeit gehabt, eine Entscheidung zu treffen. Führer, Bischöfe und Freunde hatten mir geholfen. Meine Familie hatte mich unterstützt. Aber ich hätte es niemals geschafft, wenn ich nicht zuerst den Entschluß gefaßt hätte, später einmal im Tempel zu heiraten
.


Im Tempel erfuhr ich mehr über den Plan, den der himmlische Vater für mich hat. Mir wurde bewußt, daß ich mein Ziel im Grunde noch gar nicht erreicht hatte. Ich hatte nur einen weiteren Schritt getan. Deshalb nahm ich mir an Ort und Stelle vor, meine Tempelbündnisse einzuhalten, wie schwer es mir auch fallen mochte. Ich beschloß, daß ich eines Tages zum himmlischen Vater zurückkehren würde.

Tamara Leatham Bailey

28.2.08 11:50

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